SIGNUM MORTIS – Ausstellung und Publikation, 1.-30. November 2019

Kunsthandel Boesner Hannover

Der nördliche Balkan, das ehemalige Jugoslawien, dessen Nachfolgestaaten: Dort hat der Fotograf Wolf Böwig seit Anfang der 1990er Jahre wiederholt umfangreiche Reportagereisen unternommen, zuletzt im März und April 2019. So ist ein Archiv aus Bildern, Skizzen, Tagebüchern, Collagen und Eindrücken entstanden, in denen sich die gravierenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen dieser Region im vergangenen Vierteljahrhundert widerspiegeln: die Kriege, die nationalen und ethnischen Konflikte sowie der Wiederaufbau bis hin zur jüngsten Flüchtlingskrise.

Doppelheft und Ausstellung verstehen sich als eine erweiterte Dokumentation dieser Reportagereisen in den Südosten Europas. Ihr roter Faden ist der Reisende, in die Orte dieser Region eintauchende Fotograf. Der Augenzeuge vertieft seine Wahrnehmungen durch eine vielseitige Kenntnis der Literatur zu dieser Region und ihren Konflikten. Und kehrt immer wieder mit der Frage zurück: Warum?

Der Aufbau ist wie eine Reiseroute gestaltet, die um emblematische Orte kreist: Jasenovac, Popovac (Kroatien), Belgrad (Serbien), Visegrad (Bosnien), Pristina (Kosovo) und Gevgelija /Idomeni (Grenze Mazedonien/Griechenland).

Die Fotografien werden um Collagen des Fotografen, Texten von Ivona Grgurinović, Marko Dinić, Habbo Knoch, Pedro Rosa Mendes und Skizzen von David von Bassewitz erweitert. Sie bilden eigene Perspektiven, um sich der Region zu nähern.

Das Ergebnis ist eine Assemblage – eine Verbindung aus verschiedenen Zugängen, die neue Perspektiven auf die Räume der Gewalt und deren Verarbeitung eröffnen. Sie reterritorialisieren Landschaften im Bewusstsein der Betrachter, indem Orte, Grenzen und Routen über die Zeiten hinweg oszillieren – wie eine Resonanz auf die Zerstörung der Moral in den Kriegen der 1990er Jahre und deren bis heute ungeheilte Wunden.

von Habbo Knoch

 

Gefördert durch VG Bild-Kunst Sonderfond Publikationen 2018

 

SIGNUM MORTIS




„Über Gewalt berichten“ – Generalsynode Dresden, 6.-13. November 2019

Andreas Langen im Gespräch mit Wolf Böwig zur Ausstellung Grand Trunk Road / Gewaltraum Indischer Subkontinent

Mit Bildern des Fotografen Wolf Böwig beschäftigten sich die Synodalen im Rahmen eines Workshops. Die Ausstellung, die dabei entstand, wurde am Nachmittag eröffnet. Der Leitende Bischof Ralf Meister würdigte Böwig, der seit drei Jahrzehnten Krisengebiete vornehmlich auf dem Balkan, in Afrika und auf dem indischen Subkontinent bereist, als einen „Wanderer in der Geschichte auf den Spuren der Gewalt“. Er zeige in besonderer Weise Bilder des Jüngsten Gerichts. Böwig selbst versteht seine Arbeit als Angebot zum Dialog, der der einzige Weg zum Frieden sei, wenn man das Ende der Sprache als Beginn der Gewalt verstehe: „Meine Bilder sind auch eine Aufforderung, sich einzusetzen für liberale Demokratie und Meinungsfreiheit.“

Maritim Hotel & Internationales Congress Center, Ostra-Ufer 2, 01067 Dresden

Grenzen jeglicher Art, von geistigen über politische bis hin zu kulturellen, sind von zentraler Bedeutung für Wolfs Darstellung der uns allen gemeinsamen menschlichen Natur. Es ist dieser eingefleischte Irrsinn, den er brutal offenlegt, mit Schichten historischer, politischer, emotionaler und sprachlicher Komplexität. In Wolfs gesamtem umfangreichen Werk zeigt sich die menschliche Realität in Gestalt einer Offenbarung und nur sehr selten einer Entblößung, wobei jeder fotografische Augenblick eine Fülle von Bezügen einfängt, die ein Gefühl individueller, kollektiver und sozialer Identität definieren – Identität als jene höchste Form des Irrsinns hinsichtlich des eigenen Ichs

Pedro Rosa Mendes




Nah ist das Land, das Sie das Leben nennen

Ausstellung in der Galerie Peter Sillem
vom 8. November bis 8. Dezember 2018

… Wolf Böwig ist ein Autor-Photograph. Er zeigt nicht nur, er erzählt auch. Er macht – photographisch-erzählend – auch Pausen, er lässt Lücken, er springt im Erzählen, er spricht zu schnell, er holpert, fängt sich wieder, hält inne und schweigt. Ich könnte das an jedem einzelnen der Bilder, die hier heute versammelt sein, aufzeigen. Aber es ist schöner, wenn Sie das selbst entdecken.

Was mich am meisten berührt an Wolf Böwig ist, dass er hadert, dass es ihm selbst nie reicht. Dass er nie genug hat von einer Gegend, dass er sich nicht abschrecken lässt, dass er nie zufrieden ist, dass er nicht akzeptieren will, dass geschieht, was geschieht, dass es hier so wenige umtreibt, dass er auch an seinen eigenen Instrumenten, seinen Bildern, seiner Arbeit zu zweifeln scheint – und deswegen die Sprache, in der er von diesen Gegenden erzählt, weiterentwickelt.

Wolf Böwig arbeitet mit Photographie, mit Schrift, er lässt einzelne Aufnahmen für sich wirken, er gestaltet Collagen, es sind unterschiedliche Materialien und Techniken, die ein ganzes überbordendes Panoptikum bilden. Aber auch jedes einzelne Bild zeugt von dieser Lust auf komplexes Erzählen. …

Einführung von Carolin Emcke




„Kriegspassage 1“

Ausstellung "Kriegspassage1" von Wolf Böwig und Black.Light Project


… wurden auf dem Weg durch eine Wiederbegegnung etwas aufgehalten und trafen auf eine leere Ausstellung, lieber Wolf Böwig. Wir sind lange geblieben (anstatt der ausgelagerten weiteren Veranstaltung hinterherzulaufen).

Es hat uns die Sprache verschlagen. Später, in der Nacht, fiel mir Eliacheff ein, eine Psychoanalytikerin, die in Paris seit vielen Jahren mit schwerst traumatisierten Babies und Kleinkindern arbeitet. Sie erzählt diesen Kindern, die noch nicht sprechen können, deren eigene Geschichte. Sie nennt diese Vorgänge „symbolisieren“. Erstaunlich ist: sie funktionieren. Die Kinder verlieren ihr Asthma, essen wieder etc.

Ihre Ausstellung mit der Beteiligung bzw. der Hilfe anderer …eine Symbolisierung?
Auch eine Art Selbst-Heilung?

Hab mich sehr über unsere Begegnung gefreut.

Herzlich
Anna Maigler

Ausstellung „Kriegspassage“

„Kriegspassage 1“ vom 23. bis 27. August 2018 beim 38. Poetenfest Erlangen 2018